Okt 25 2014

Esst mehr Bücher!

Na so etwas. Da bietet der bekannte Taschenhersteller Freitag – ja, die mit den Dingern aus LKW-Plane – ein neues Produkt an. Hosen und andere Klamotten aus Bast. Das besondere an diesen Textilien ist, dass man sie sämtlich rückstandsfrei kompostieren kann. Produktion, Nutzung und Rückführung in den Kreislauf werden so konsequent zu Ende gebracht. Chapeau.

Bücher könnte man natürlich auch leicht recycelbar herstellen. Ökologisch konsequent wäre das ja, die meisten Bücher werden halt eben doch nur einmal gelesen. Stattdessen hängt das Zeug in den Regalen rum. Zum Wegwerfen sind sie den meisten Menschen auch zu schade. Eigentlich hätten treue Leser (oder vielleicht auch die Buchhändler) schon längst kompostierbare Bücher entwickeln sollen.

Ich dagegen mache einen anderen Vorschlag: So wie die Freitag-Brüder ihr Textil F-ABRIC entwickelt haben, sollte man ein essbares Material entwickeln und die Bücher darauf drucken, etwa auf Spitzkohlblätter. Buch durchlesen und danach aufessen. Kein hassle mehr mit überquellenden Bücherregalen!

Bücher, die man sich einverleiben kann, das ist ein geradezu biblischer Vorschlag. Bei Ezechiel 3,1 heisst es schon: "Menschensohn, iss, was du vor dir hast. Iss diese Rolle!" Und in der Offenbarung des Johannes 10, 8-11: "Und ich ging zu dem Engel und bat ihn, mir das kleine Buch zu geben. Er sagte zu mir: Nimm und iss es! In deinem Magen wird es bitter sein, in deinem Mund aber süß wie Honig. Da nahm ich das kleine Buch aus der Hand des Engels und aß es."

Na dann: Guten Appetit!

Jul 13 2013

Drowning books

Die Inder haben eine eigenwillige Form der Literaturauswahl und -kanonisierung gefunden. Im südindischen Madurai gibt es den berühmten Menakshi-Sundeswarar-Tempel. In seinem Inneren befindet sich ein heiliger Tempelteich. Wie V.K. Subramanian in seinem köstlichen Buch "Art shrines of ancient India" (2003) schreibt, bewertet dieser Tempelteich literarische Werke. Die Bücher werden einfach in den Teich geworfen. Schlecht geschriebene Werke gehen unter, während die hohe (und erhaltenswerte) Literatur an der Oberfläche treibt.

Drowning books in a sacred temple tank

Indien ist auch dafür bekannt, dass an seiner Westküste gigantische Schiffe abgewrackt werden können. Wegen einer besonderen Küstenformation vor Alang gelangen die Schiffe bei Flut bis weit auf den Sandstrand hinauf. Dort fahren sie dann auf Grund und können bequem von zahllosen Arbeitern auseinandergeflext werden. Der Stahl wird wieder recycelt.

Wir sollten ein paar Schiffsladungen voll abendländischer Literatur nach Indien schicken. Offensichtlich wissen sie ja gute und schlechte Literatur voneinander zu trennen. Eine eMail aus Indien, und wir wissen, was sich aufzuheben lohnt. Und die Schiffe können sie auch gleich behalten.

Begriffe: 
Mär 23 2013

Die Konferenz der Bücher

Jetzt können sich unbelebte physische Objekte also schon miteinander unterhalten: Autos kommunizieren miteinander über ihre Position, ihren Staus und optimale Fahrwege, Kühlschränke reden mit Supermärkten, Solarkollektoren geben den Markisen Kommandos. Die Registrierkasse labert mit dem Zentralcomputer und macht dem Nutzer, den sie an der Kreditkarte erkennt, Konsumvorschläge. Das "Internet der Dinge" vernetzt Gegenstände miteinander. Super.

Selbstverständlich werden in naher Zukunft auch die Bücher miteinander vernetzt; die physischen, wohlgemerkt: Einfach einen Chip hintenreingeklebt, und schon können die Bücher miteinander sprechen. Toll.

Worüber würden sie wohl kommunizieren? Vermutlich werden die großformatigen Kunstdruck-Bände ihren Kollegen zurufen: "Wir sind die Schönsten! Darum hat man uns auch ein eigenes Regalfach gebaut, ganz oben natürlich. Da können wir auf alle anderen heruntergucken." "Pah!" würden die Lyrik-Bändchen antworten, "Von wegen! Wir sind noch viel schöner! Wir sind so schlank und zart – und werden von den Menschen wirklich geliebt."

"Ich dagegen werde zu Hunderttausenden gekauft", würde ein dicker Konsalik von links unten her mosern; "das ist wahre Anerkennung."  "Und ich", fistelt ein Liebesroman, "rege zwei Drittel meiner Leserinnen erotisch an. Das habe ich aus Amazonien erfahren."

"Mir ist einfach nur langweilig", sagt ein stw-Taschenbuch mit dem Namen Derrida auf dem Rücken, "seit dem Studium meines Besitzers stehe ich hier im Regal – also seit 20 Jahren." Zu dieser Statusmeldung ringen sich die anderen Bücher ein mitfühlendes "Like" ab.

"Wir sind total depressiv", sagt der Werther für alle Bände der Goethe-Gesamtausgabe, "wir scheiden wohl bald aus dem Leben." Da schweigen die anderen Bücher betroffen.

Okt 20 2012

Herbstwald

Der Herbstwald verteilt Blätter ohne Erlaubnis.

Das letzte Flugblatt

Ist das nicht total out? Lesen wir nicht alle digital? Ist das eine neue Marketing-Form?

Soll uns digital natives und eBook-Fans das jetzt etwa zu denken geben?

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Sep 9 2012

Bücherdämmerung

The message left the medium

The message left the medium.
© 2012 by Jörg Lehmann

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Apr 21 2012

Mek'elle, im April 2012. – Sensationeller Fund im Norden Äthiopiens

Eigentlich hatte es nur ein Sonntagsausflug werden sollen, aber der Trip endete mit einer faustdicken Überraschung: Deutsche Forscher entdeckten in der nordäthiopischen Provinz Tigray Zeugnisse einer untergegangenen Kultur. "Unser guide hat uns hinter zwei kerzenähnliche Felsen geführt, und dann sahen wir die Buchkirchen", berichtet der Forscher Wilhelm Heinse.

Die Gruppe von Wissenschaftlern gehört zum weiteren Umfeld des Projekts "Cultural Heritage of Christian Ethiopia“. Hier geht es um die Di­gi­ta­li­sie­rung, Er­for­schung und Ka­ta­lo­gi­sie­rung christ­li­cher Hand­schrif­ten in Äthio­pi­en – ein Buchprojekt. "Eigentlich hatten wir uns den Sonntag freigenommen und wollten eine der berühmten Felsenkirchen in der Gheralta besuchen“, erzählt Heinse. Beim Abstieg von der Felsenkirche Abuna Yemata Guh seien sie dann von ihrem Führer India Nardschones auf einen anderen Weg geleitet worden. "Nachdem wir um zwei Felsnadeln herumgeklettert waren, dachten wir, wir sind im falschen Film. Es war, als hätten uns die Bücher, die wir doch hinter uns lassen wollten, wieder eingeholt."
Denn nun erblickten die Forscher mehrere Kirchen, die den Anschein erwecken, als seien sie in Bücher gemeisselt worden.

Foto © Guy Laramée
Foto © by Guy Laramée; Credits: www.guylaramee.com

Die Entstehungsgeschichte der über 800 Jahre alten Kirchen liegt derzeit noch völlig im dunklen. Bislang konnten die deutschen Wissenschaftler lediglich feststellen, dass es sich um eine alte Schriftkultur handelt, denn die Inschriften der Buchkirchen sind in Ge'ez verfasst, der äthiopischen Kirchenschrift. "Offensichtlich legten die Priester und die Baumeister dieser Buchkirchen ihr gesamtes Wissen in Büchern nieder, und sie betrachteten diese als Heiligtum. Was lag näher, als ihre Kultstätten als Skulpturen zu gestalten, die in Bücher gehauen wurden?“ mutmaßt Heinse.

Foto © Guy Laramée
Foto © by Guy Laramée

Die Entstehungszeit der Kirchen kann grob auf das elfte bis zwölfte Jahrhundert nach Christus datiert werden, etwa in dieselbe Zeit, in der auch die berühmten Felsenkirchen von Lalibela entstanden sind. Weitere Forschungen, die das Geheimnis der Buchkirchen lüften sollen, werden nun unternommen. Selbstverständlich werden unsere Leser darüber auf dem Laufenden gehalten.

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Mär 24 2012
Bücherberg Foto (c) Markus HanzerFoto © Markus Hanzer @ www.stadtgespraeche.at

Taxöldern, im März 2012.

– Die Idee, sagt Augustin Weiherwein, sei ihm bei einem Spaziergang durch das örtliche Industrieviertel gekommen. Als er an einer Halde mit Kulturschutt der Recyclingfirma Vebag vorbeikam, habe es bei ihm „geschnackelt“. Seither beschäftigt sich der weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus bekannte Künstler mit dem Verlust der historischen materiellen Kultur als einem Effekt der rasch fortschreitenden Modernisierung, und den Wirkungen der globalen Ökonomie auf lokale und traditionelle Produktionsweisen. Schon zuvor umfasste sein Werk auch breitere Themen wie die Wahrnehmung von Wert, Massenproduktion, Globalisierung und Auffassungen von „realem“ und „fake“.

Coca-Cola-Isierung Foto (c) Frnz Xvr In seiner aktuellen Ausstellung mit dem Titel "Die Zukunft der Vergangenheit" im Oberpfälzer Künstlerhaus verwandelt Weiherwein antike Kulturgüter – meist Bücher – in Artefakte zeitgenössischer Popkultur, indem er sie mit den Logos transnationaler Konzerne versieht, in Industriefarbe taucht oder in kleine Fetzen zerreisst. „Gerade der Manichäismus der Coca-Cola-Isierung unserer Kultur“ sei es gewesen, so Weiherwein, der ihn dazu geführt habe, die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Kulturerbe und traditionelle künstlerische Praktiken zu thematisieren.

Zu den eindrucksvollsten Werken der Ausstellung zählen jene Bücher, die Weiherwein wie readymades behandelt und in Pop-Art verwandelt, die in der Warholschen Tradition steht. Weiherwein gelingt es, die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Inhalt der Werke auf ihre Materialität zu verschieben, indem er ihre Oberflächenstrukturen thematisiert. Auf diese Weise wird der Wert des Buches historisiert und seine Aura in den Kontext zeitgenössischer Kunst eingebettet.

Die Texte des Kunsthysterikers Bison Bock, verwandelt von Weiherwein, Foto (c) WrdlbrmpfdWie der Ästhetik-Professor Bison Bock in seinem ungemein scharfsinnigen Eröffnungsvortrag zur Ausstellung bemerkte, gelingt es Weiherwein dadurch, „die zunächst nur wie eine Sublimierung eines finanziellen Werts und des kulturellen Kapitals eines Objekts erscheinende Transformation, die in eine differente, jedoch parallele Karriere von upgedatetem Wert und Kapital übergeleitet wird“ nun zugleich als „entlarvende Satire der Formationsmacht transnationaler Konzerne zu gestalten“, die sich zum einen vorgeblich „der Erhaltung und dem Schutz des kulturellen Erbes durch seine Digitalisierung verschrieben“ habe, andererseits „einer Annihilation der historischen Artefakte Vorschub leisten, die sich als alltägliche ménagère Säuberungsaktion getarnt“ ereigne.

Der Schwandorfer Literaturkreis um Frau Dr. Hildegard Stangl hingegen unterstrich, dass die Ausstellung des Künstlers Augustin Weiherwein wieder "den Fokus auf die Bedeutung des Buches" gelegt und dieses "in die Perspektive des künstlerischen Blickes unserer Zeit" gerückt habe. – Einem jeden Ausstellungsbesucher wird der Rundgang durch die Ausstellung und anschließend durch den frühlingshaft erblühenden Irrgarten des Künstlerhauses sicherlich ein unvergeßliches und eindrucksvolles Erlebnis bleiben, das durch einen Frühschoppen im Gasthaus Johann Dirmeier einen würdigen Abschluß findet..

Warhols Bücher

 

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Jun 18 2011

Recycle Books #4

Lesen braucht Zeit, und die findet man an einem lauschigen Plätzchen, im Grünen, unter einem Lindenbaume.

A literary bench: Warum nicht die alten Bücher benutzen, um darauf zu verweilen, auszuruhen und zu schmökern?

Bücherbank (c) by Bank für Sozialkapital

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nov 13 2010

Recycle Books #3

Wohin mit den ganzen Wäldern, die ein dämmeriges Dasein in staubigen Nischen fristen, dürstend nach Aufmerksamkeit und Zuwendung? Die Funktionslosigkeit der privaten Bibliotheken des 20. Jahrhunderts erschreckt und beschämt, dienen doch die Bewohner der Buchregale einzig dem Ausweis der Belesenheit ihrer Besitzer.

Vorschlag: Schickt die Bücher ins Museum. Dort sind sie gut geschützt, haben es trocken und warm. Und sie bekommen Besuch, wenn gestattet wird, dass sie auf ungewöhnliche Weise angeordnet werden. Kein Zweifel, man auf ganz neue Weise erfahren, welchen Kultcharakter die Literatur hat, wenn man die Bücher auf ihre Materialität reduziert und in eine sakrale Architektur verwandelt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begriffe: 
Okt 1 2010

Recycle Books #2

Wenn Smartphones und eReader die Lesegeräte der Zukunft werden, kann man auf einfache Weise den Wechsel der Hardware zeigen: In die guten alten Bücher legt man die neuen rein. Mit einem Teppichmesser kann man sich ganz einfach ein nettes case für seine neue Bibliothek herstellen. Und wer genügend staubige Bücher im Regal hat, kann sich für jeden Tag eine neue Hülle herstellen und so seine Belesenheit zeigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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