Mär 24 2012
Bücherberg Foto (c) Markus HanzerFoto © Markus Hanzer @ www.stadtgespraeche.at

Taxöldern, im März 2012.

– Die Idee, sagt Augustin Weiherwein, sei ihm bei einem Spaziergang durch das örtliche Industrieviertel gekommen. Als er an einer Halde mit Kulturschutt der Recyclingfirma Vebag vorbeikam, habe es bei ihm „geschnackelt“. Seither beschäftigt sich der weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus bekannte Künstler mit dem Verlust der historischen materiellen Kultur als einem Effekt der rasch fortschreitenden Modernisierung, und den Wirkungen der globalen Ökonomie auf lokale und traditionelle Produktionsweisen. Schon zuvor umfasste sein Werk auch breitere Themen wie die Wahrnehmung von Wert, Massenproduktion, Globalisierung und Auffassungen von „realem“ und „fake“.

Coca-Cola-Isierung Foto (c) Frnz Xvr In seiner aktuellen Ausstellung mit dem Titel "Die Zukunft der Vergangenheit" im Oberpfälzer Künstlerhaus verwandelt Weiherwein antike Kulturgüter – meist Bücher – in Artefakte zeitgenössischer Popkultur, indem er sie mit den Logos transnationaler Konzerne versieht, in Industriefarbe taucht oder in kleine Fetzen zerreisst. „Gerade der Manichäismus der Coca-Cola-Isierung unserer Kultur“ sei es gewesen, so Weiherwein, der ihn dazu geführt habe, die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Kulturerbe und traditionelle künstlerische Praktiken zu thematisieren.

Zu den eindrucksvollsten Werken der Ausstellung zählen jene Bücher, die Weiherwein wie readymades behandelt und in Pop-Art verwandelt, die in der Warholschen Tradition steht. Weiherwein gelingt es, die Aufmerksamkeit des Betrachters vom Inhalt der Werke auf ihre Materialität zu verschieben, indem er ihre Oberflächenstrukturen thematisiert. Auf diese Weise wird der Wert des Buches historisiert und seine Aura in den Kontext zeitgenössischer Kunst eingebettet.

Die Texte des Kunsthysterikers Bison Bock, verwandelt von Weiherwein, Foto (c) WrdlbrmpfdWie der Ästhetik-Professor Bison Bock in seinem ungemein scharfsinnigen Eröffnungsvortrag zur Ausstellung bemerkte, gelingt es Weiherwein dadurch, „die zunächst nur wie eine Sublimierung eines finanziellen Werts und des kulturellen Kapitals eines Objekts erscheinende Transformation, die in eine differente, jedoch parallele Karriere von upgedatetem Wert und Kapital übergeleitet wird“ nun zugleich als „entlarvende Satire der Formationsmacht transnationaler Konzerne zu gestalten“, die sich zum einen vorgeblich „der Erhaltung und dem Schutz des kulturellen Erbes durch seine Digitalisierung verschrieben“ habe, andererseits „einer Annihilation der historischen Artefakte Vorschub leisten, die sich als alltägliche ménagère Säuberungsaktion getarnt“ ereigne.

Der Schwandorfer Literaturkreis um Frau Dr. Hildegard Stangl hingegen unterstrich, dass die Ausstellung des Künstlers Augustin Weiherwein wieder "den Fokus auf die Bedeutung des Buches" gelegt und dieses "in die Perspektive des künstlerischen Blickes unserer Zeit" gerückt habe. – Einem jeden Ausstellungsbesucher wird der Rundgang durch die Ausstellung und anschließend durch den frühlingshaft erblühenden Irrgarten des Künstlerhauses sicherlich ein unvergeßliches und eindrucksvolles Erlebnis bleiben, das durch einen Frühschoppen im Gasthaus Johann Dirmeier einen würdigen Abschluß findet..

Warhols Bücher