Mär 10 2012

In Ron Leshem's Roman "Der  geheime Basar" ermöglicht das Internet die konspirativen Verbindungen zwischen der iranischen Jugend und der Welt, zwischen der Vergangenheit von Schah Reza Pahlevis Jet-Set und der Gegenwart der Mullahs, zwischen Teheran, dem Zentrum, und den vielen Peripherien am Kaspischen Meer oder anderswo. Das Internet ist das subversive Medium, die geheime connection  zwischen allem, was sich gegen die islamische Republik auflehnt.

Oft sind diese unsichtbaren Netzwerke das Schreckbild, der paranoide Untergrund der Literatur gewesen: "1984" von Orwell, "Das Leben der Anderen" von Henkel von Donnersmark, oder die ganzen Spionenromane des kalten Krieges. Hier, im "geheimen Basar" ist es andersherum  – die schweigend-verschwörerische Jugend, die Zukunft des Landes ist vernetzt und scheint die bestehende Ordnung über den Haufen werfen zu wollen. Als Roman funktioniert das Buch nicht deshalb, weil es das Internet thematisiert, sondern weil es die herausfordernde Ablehnung einer kleinen Minderheit mit der mächtigsten Technologie unserer Zeit zusammenbringt. Und dabei noch eine mitreißende Geschichte erzählt.

Das Internet nimmt dabei einen Platz ein, den früher oft der Literatur zugeschlagen wurde: Eine Literatur, die Einspruch erhob gegen die herrschenden Verhältnisse, die das Leben ausspielte gegen die menschenverachtenden Diktaturen, Überwachungsstaaten oder Religionswächter. So konnten sich die Schriftsteller als moralische Instanzen, vielstimmige und listige Orakel oder straighte Intellektuelle positionieren. Der Autor als Herausforderer, Literatur als Subversion.

Diese Art von Literatur funktioniert als eine Art Erkennungszeichen einer sublimen Verschwörung. "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera oder Christa Wolfs "Kassandra" verknüpften Leser mit Lesern und bildeten so eine schweigend-lesende Gemeinschaft derjenigen, die gegen das herrschenden System verschworen waren.

Heutzutage wäre es natürlich noch ganz anders möglich, eine solche unsichtbare Gemeinschaft erfahrbar zu machen. Wer wann welches eBook liest – das ließe sich schnell mit einer Software sichtbar machen. Aber sofort hätte man wieder die Schreckbilder paranoider Überwachungsstaaten auf dem Tableau – wer möchte denn schon wirklich preisgeben, welches Buch er gerade liest?

Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma könnte sein, eine Art Code auszumachen. Nur derjenige, der es wirklich möchte, gibt preis, was er gerade liest. Im Falle des "geheimen Basars" könnte man sein Smartphone oder sein Tablet nehmen, das Buch in seinem eReader aufschlagen, sich nach Mekka ausrichten und ein paar Verneigungen und Kniefälle ausführen. Kompass und Gyroskop und all die anderen Sensoren würden die Daten einlesen ... und schon werden auf einer Weltkarte alle Leser des "geheimen Basars" angezeigt, die gerade "on" sind ....