Nov 26 2011

Das schöne Buch

eBooks haben gegenüber den konventionellen Büchern den massiven Nachteil, dass sie einfach (noch) nicht so geliebt werden. Erstmal ist das auch einfach nachzuvollziehen, denn die materiellen Kennzeichen der herkömmlichen bibliophilen Bücher sind unnachahmlich: Ein besonderes Papier, der Geruch, den es verströmt; handgemalte Majuskeln oder Miniaturen; Holzschnitte oder Kupferstiche als Illustrationen; limitierte Auflagen, handsigniert; besondere Stoffe, auf denen der  Druck ausgeführt wurde, wie Pergament, Velin oder handgeschöpftes Papier. All das macht ein Buch zu einem Unikat, und das wird im digitalen Zeitalter der verlustfreien Reproduzierbarkeit als wertvoller angesehen als ein eBook.

Darüber hinaus stimmt es einfach, dass es bislang nur wenige eBooks gibt, die mit viel Liebe hergerichtet wurden und "schön anzuschauen" sind. Beim Internet Archive kann man sich so eines kostenlos herunterladen. Im eReader sieht es so aus:

Angenommen, wir hätten in Kürze viele Bücher, die so schön gestaltet sind wie das hier – würde das die vielen Vorteile ausgleichen, die Bibliophile an den Objekten ihrer Leidenschaft ausmachen? Sicher nicht. Die Gründe müssen daher noch ein bisschen tiefer liegen als nur im "schön gemacht" und "Unikat".

Ein weiterer Grund ist sicherlich der, dass viele der geliebten Bücher altern und nicht selten älter sind als ihre Besitzer. Physische Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen Bezug zu zeitlicher Tiefe haben. Ihre Fähigkeit, Jahrhunderte zu überdauern, und ihr Symbolgehalt als Träger des Weltwissens suggerieren Unsterblichkeit. Digitale Bücher hingegen stehen für Veränderlichkeit, Vergänglichkeit und Kurzlebigkeit.

Strategie für eBook-Futuristen: Das Stigma in eine Auszeichnung verwandeln.