Aug 18 2012

The World seen from Books

Analoge Bücher können nicht aufzeichnen, wo sie waren, digitale schon. Fast jedes mobile Gerät (alle, die Netzzugang haben) können Geodaten bereitstellen. Man müsste nur eine Schnittstelle bereitstellen, die das aufzeichnet und lesbar macht.

Was würden uns die Bücher dann berichten? Für ein einzelnes Exemplar wäre das vermutlich gar nicht so interessant: "Wurde am Flughafen von X das erste Mal aufgeschlagen, weitergelesen am Strand von Y, dort heißgelaufen. War froh, wieder ins virtuelle Bücherregal zurück zu dürfen, wo ich seit 16 Monaten vor mich hin dämmere und überlege, warum mir dies widerfährt ..."

Spannender könnte es allerdings sein, wenn die Geodaten von ALLEN Exemplaren eines Buches zusammengeführt würden; die Wanderungsbewegungen und die Ausbreitung eines Buches würden sichtbar. Nehmen wir mal ein historisches Beispiel – "Don Quichote" von Cervantes könnte folgendes berichten:

"Ich kam 1605 in Spanien zur Welt. Im zarten Alter von sieben Jahren begann ich, ferne Länder zu besuchen (nachdem ich Fremdsprachen gelernt hatte): England und Holland, Frankreich, die deutschsprachigen Territorien und Venedig eroberte ich bis 1656. Nach einer Pause von über hundert Jahren breitete ich mich zwischen 1769 und 1802 in Dänemark, Russland, Polen, Portugal und Schweden aus. Zwischen 1813 und 1835 lernte ich das Habsburger und das Osmanische Reich kennen. Ab 1860 gings dann so richtig ab bei mir: Nach der Türkei kam ich nach Ägypten, China, Persien, Indien, Malaysia, auf die Philippinen und nach Japan; das alles geschah noch im ausgehenden 19. Jahrhundert ..."

Alle Achtung! Man sieht auf einmal: Bücher sind Migranten. Globale Informationsströme sind offensichtlich kein Privileg des 21. Jahrhunderts ...