Feb 21 2015

Von der Poesie der Maschine

Neulich erhielt ich eine wunderbare mail mit dem Betreff: "Mein Wanderdrang und meine Farbenlust." Der Text der mail lautet: "Sich ein Farbenteppich webt, / Grossmutter spinnet, Urahne gebu:ckt / Zehntausend Lanzen fu:rchterlich, / treffen wir drei wieder zusamm? / Ich will nicht im geringsten gefa:hrden / Die Glut, an der man merke. / Sogar die Dame spricht zuna:chst verdutzt: / und Erscho:pfung, bleiern schwer, / wenn u:bermorgen um halb neun / fort mu:ssen sie ohne den armen Gesellen."

Ohne Zweifel Poesie, wenn auch hermetische. Nicht völlig verständlich, weil zuviel Zufallsmaterial enthalten ist. Das kann man besser machen.

Wir programmieren also eine Poesie-Maschine, bringen ihr korrekte Satzbauten, poetische Metaphernproduktion und eingängige Rhythmisierungen bei, et voilà - wir haben einen Poeten erzeugt, der auf unseren Wunsch hin beliebig viele Texte zu beliebigen Themen ausspuckt. Nach der Poesie-Maschine kommt dann die Prosa-Maschine, dann die Aphorismen- und die Drama-Maschine. Als Textmaschinen-Fabrikanten arbeiten wir an der Abschaffung des Künstler-Individuums, ohnehin eine teure und verzichtbare Einrichtung. Wozu Lettrismus und serielle Musik, wenn unsere Prozessoren das effektiver erledigen können?

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Heraus kommt mit Sicherheit eine Art von Texten, wie man sie vom Google-Translator her kennt. Gebt dort einfach mal den ersten Absatz von Harry Potter im Original ein und lasst das übersetzen. Ich weiss, ich soll nicht immer alles ridikülisieren. Aber diese Maschinen gibt es schon, und es werden mehr. Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann sie sich verbreiten werden. Wie wir sie wieder loswerden können? Das ist einfach: Wir geben jeder der Maschinen die Aufgabe, sich selbst zu fiktionalisieren und ihre eigene Zukunft zu beschreiben. Das führt zur Implosion ...