Aug 12 2010

Vom Klang der Wörter

„Die Bedeutung der Worte und Sätze über Bord werfen und sie als Ausgangsmaterial für kreative Kompositionen nehmen.“ Das hört sich erstmal schwierig an, ist aber nur ein kleiner Schritt, und er gelingt besonders leicht, wenn es um den Klang geht. Man nimmt ein Wort, hart wie Stein, klopft darauf und stellt fest, es sind Vögel drin: Granit. Gra-Nit, GraGraNitNit, GraGraGraNitNitNit und so weiter. Wir haben also massenhaft Möglichkeiten zur Verfügung, und nicht nur diesen onomatopoietischen Kram wie Kuckuck, Tschilp und Kikeriki. Immer wieder fällt einem doch auf, wie merkwürdig manches Wort klingt und wie leicht sich damit spielen lässt. „Alter, hast Du Haaramarsch“ klingt Arabisch, ist es aber nicht.

Wenn das Web2.0 die Nutzer zum Autor macht, warum nicht auch zum Dichter? Früher nannte man das Lautmalerei, jetzt wäre es vielleicht besser, von Wortkomposition zu sprechen. Also brauchen wir eine App, die das Komponieren unterstützt. Zum einen sollte sie Wortvorschläge machen, wie T9, und klanglich verwandte Beispiele vorschlagen, damit man zügig zu Ergebnissen kommt, wie etwa „was dort unten dumpf rumdunkelt“. Zum anderen sollte sie eine Silbenerkennung haben, um auch rhythmische Strukturen berücksichtigen zu können und so etwas wie „Spielt mein Wiesel mit dem Kiesel, sitzt inmitten still Geriesel“ ermöglichen. Und schliesslich sollte sie die Anordnung des Klangmaterials erlauben wie eine Kompositionssoftware auch, d.h. verschiedene Tonhöhen übereinander stapeln können.

Sopran: „Hilf mir fix, denn ich zittere ziemlich hier, hilf mir fix, denn ich klittere ziemlich hier, hilf mir fix, denn ich wittere fieses hier, nie hilft mir nix“

Alt: „Ach ja, am Klang da macht mans lang, ach ja, der Zwang dem macht man bang, ach ja, den graden Damm entlang, ach, da entlang“

Bass: „Unten dumpf, unterm Sumpf, gruselts dumpf, raunt Zunge dumpf“

Ziemlicher Schwachsinn – hört sich aber als dreistimmiger Gospel brauchbar an.