Jun 9 2010

Versuch einer Antwort

Oho, ein Manifestantist und Clausewitz-Leser: Die Fortsetzung der Literatur mit anderen Mitteln...

Literatur ist für mich ein wenig leiser ...

Daher erstmal ein paar Antworten: Was die Leute wollen, weiss ich nicht, wohl aber, was mich an Literatur fasziniert:
Eins: Einblicke in Wahrnehmungen, Stimmungen,Gefühle und Verhalten gewinnen und so meine Sicht auf die Welt bereichern. Je fremder, desto besser: Das macht mich neugierig.
Zwei: Eine Geschichte erzählt bekommen, die klüger ist als die Worte, aus denen sie gebildet ist.

Wenn Du sagst, dass augmented literature mit der Erweiterung der Sinne zu tun hat: Handelt es sich demnach um ein MEHR, etwas, das zur Literatur hinzu tritt, um die Wirkungen zu intensivieren? Bilder, sounds, haptische Erlebnisse sind ja ganz schön, gerne aber nicht als bloße Illustration. Das wäre ein bisschen simpel. Ich z.B. mag es ein wenig kontrapunktisch. Wenn ich lese: "Laßt, sanfte Wiesen, die Gräser wachsen. Goldene Herden ziehen über euch hin", dann möchte ich die Vibration der Rinder fühlen, ihre Bass dazu hören, den heissen Atem spüren, das Rauschen ihres Blutes an mein Trommelfell branden lassen. Dann kann ich der Boden sein, und meine Geduld lässt aus Gras Milch werden.
Also Hypermedialität, Magie, Synästhetik. Wäre das AL?

Was den zweiten Punkt angeht – story, Interaktion, Performanz – hiesse AL für mich, mitspielen dürfen. An der Geschichte mitwirken dürfen, an Wendepunkten eingreifen, einer Figur aus dem Weg gehen oder sie zur Rede stellen können. Im Gegensatz zum Computerspiel aber mit dem Vorzug, dass nicht alles möglich ist, sondern ich mir überlegen kann, was die Geschichte über mich sagt, eben weil sie so passiert ist, wie ich sie gelesen habe.
Also interaktive Narration. Denkst Du, es wäre möglich, dass ich als Leser ein wenig in einem Text interveniere, und der Autor „antwortet“ mir, indem er die story weiterschreibt?

Nächste Frage: Wessen Realität wird durch augmented literature erweitert oder sichtbar gemacht? Die des Autors / Lesers / Nutzers? Des Texts, des Mediums?