Jun 4 2011

Token of Recognition

"Minority Report" ist einer jener Sci-Fi-Thriller, in dem Menschen über einen Iris-Scan identifiziert werden. Auge = Identität. In einer kurzen Szene bekommt der von Tom Cruise gespielte Hauptdarsteller ein Paar neue Augen eingesetzt; kurz darauf läuft er durch einen der allgegenwärtigen Scanner und erhält auf einem Screen personalisierte Werbung angezeigt: "Good morning, Mr. Huang!"

Wenn man diese Idee aufnimmt und die Identitäts-Verknüpfung auflöst, kann man sich vorstellen, wie interaktive Geschichten gestaltet werden könnten. Es gibt ein Areal (das ,Setting'), und jeder, der sich in die Geschichten versenken möchte, erhält einen token, mit dem er sich durch das Areal bewegt. Dieser token wird gescannt, und daraufhin erhält der Leser / Besucher  / Nutzer auf einem Screen ein Stück Text eingeblendet. 

Er kann in dieser Geschichte durch den Weg, den wählt, mitspielen und ihren Verlauf verändern. Wenn beispielsweise die erste Szene im großen Bankettsaal des Schlosses spielt, wird im angezeigten Text beschrieben, was sich im Ost- bzw. Westflügel oder im Hof oder in der Krypta befindet. Geht der Leser / Spieler in einen dieser Räume, erhält er dort weitere Informationen usf.

Die Wege (und Erlebnisse) können also vielfach sein. Letztes Endes wird man die Zahl der Spielvarianten begrenzen müssen; dieses Manko eröffnet aber die Chance, die Rolle (den character) zu profilieren, denn aus den voraufgegangenen Wegen lassen sich ja Rückschlüsse über das Verhalten des Leser / Spielers ziehen (forsch, verhalten, unentschlossen usf.), und man kann dem Leser / Spieler erklären, warum manche Möglichkeiten nicht eröffnet werden ("das würdest Du gar nicht wollen").

In einem eigens für diese personalisierten Spielverläufe gestalteten Areal lassen auch andere interaktive Dialogmöglichkeiten realisieren. Der Leser / Spieler kann sich über Schaltflächen und Knöpfe ausstaffieren, wappnen, Schätze sammeln usf., wie in einem Computerspiel auch. Jetzt hätte er aber kein virtuelles Umfeld mehr, sondern ein mit allen fünf Sinnen erfahrbares, synästhetisches Kunstwerk.