Sep 3 2010

Storystickers

Wenn die location-based services es ermöglichen, dass man an einem bestimmten Ort eine story erhält, dann wird es wohl möglich sein, dass man auch eine hinterlässt.

Wieder so eine Stadt-Idee: Was charakterisiert eine Stadt besser und individueller als die ganzen Anekdoten, die sich um sie ranken? Was, wenn man dieses Charakterbild noch weiter differenziert, nach Stadtteilen, Bezirken, Kiezen? Wenn kurze Geschichten direkt mit den Orten verknüpft werden, erhält man ein intensives Stadt-Feeling.

Also: Als ich mal bei unserem Italiener bin, fragt eine Frau ungeduldig: „Ober – können wir zahlen?“ und der Ober sagt: „Sie müssen sogar!“

Oder: Ich kaufe Bier bei so einem Spätkauf und wundere mich an der Kasse, dass es sogar das ausgefallene Bier aus meiner badischen Heimat gibt. Darauf erklärt mir der Migrationshintergründler an der Theke: „Jede ethnische Minderheit braucht ihr eigenes Bier.“

Stories to go, stories to tell.

Jeder hinterlässt die Anekdoten und Geschichtchen virtuell dort, wo er sie erlebt hat – und wenn ein anderer Nutzer wieder an diesem Ort vorbeikommt, werden sie ihm aufs Smartphone gespielt. Je mehr User sich an diesem Spielchen beteiligen, desto dichter wird das Netz von Geschichten, mit dem man die Stadt überzieht. Ein Rating-System sortiert gute und schlechte Anekdoten. Und für die diejenigen, die viel Wert auf Qualität legen und nicht mit allem konfrontiert werden wollen, was ihre freundlichen Mitnutzer hinterlassen haben, kann man ja ausgewählte narrative Trips durch die entsprechenden Orte zusammenstellen (in der Art, wie Gowalla dies bereits mit Musik und Events anbietet).

Eine andere Variante: Man stellt stories, Slogans und Begebenheiten zu einem Album zusammen, aus dem der User auswählen kann, um dann die entsprechenden Schnipsel an einem Ort zu hinterlassen – virtuell natürlich. Optisch ansprechend, aber als hardcopy geprinted, haben das schon die Kollegen vom Stickermagazin gemacht:

 

Wenn man sich ein solches Vorgehen mit virtuellen Stickers vorstellt, könnte das bei einzelnen locations ziemlich interessante Kollektionen erzeugen; vielleicht sehen die Orte in dieser literature-augmented reality ja dann wie tag clouds aus.