Dez 7 2013

Stadt der Liebe

Nichts verändert die Wahrnehmung so stark wie die Liebe – sei es nun, weil alles in Rosa getaucht ist, oder weil die Sinne verwirrt sind. So taucht man als Leser eines Liebesromans schnell in eine phantastische Welt ein. Die Blumen wenden ihre Köpfe den Liebenden zu; die Fliesen, mit denen der Gang gekachelt ist, durch der Verliebte schreitet, beginnen warm zu strahlen und golden zu glänzen; eine schnelle Handbewegung durch die Luft lässt Musik erklingen.

Mit allen Sinnen durch die Stadt der LiebeKein Wunder, dass aus solchen Erzählungen schöne digitale Bücher werden können, in denen augmented literature und augmented reality verschmelzen. Nehmen wir die Stadt der Städte dafür, Paris. Der Leser streift mit seinem Lesegerät durch die Straßen und liest – und alles ist verändert: Die Straßen sind umbenannt, wenn er auf den Stadtplan schaut, denn nun erinnern sie an die Wege und Orte, die das Liebespaar beschreitet und besucht. Schaut der Leser durch die Kamera, sieht er die Liebste (oder den Liebsten) um die Ecke verschwinden wie einen holden Traum – oder im blauen Himmel über sich auf einer Wolke schweben. Die Denkmäler sind verwandelt, denn nun sieht man das Paar in Marmor gehauen und in hingebungsvollen Posen. Und die Metrostationen noch des banalsten Vergnügungsviertels verwandeln sich in den Namen der Geliebten. Ein rascher Schwenk mit dem digitalen Buch, und Sphärenklänge ertönen ...

Aber ach, vielleicht, vielleicht wird auch bald der schwache Duft einer Seerose die Lungen füllen ...