Mai 21 2011

Die alten Ägypter konnten offensichtlich mit komplexen Notationssystemen recht gut umgehen. Ihre Aufschreibesysteme variieren wahlweise mit Schreibungen von links nach rechts, rechts nach links, von rechts und links kommend (und sich in der Mitte treffend), von oben nach unten, Hieroglyphen oder hieratische Schrift. Wir dagegen sind ziemlich festgelegt mit unserem "von links nach rechts und von oben nach unten". Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass die Ägypter um 2400 vor Christus ein Jahrbuch mit einer dreizeiligen Darstellung hergestellt haben.

PalermosteinDer Palermostein (das Bild rechts zeigt nur einen Ausschnitt) wird von rechts nach links gelesen und verzeichnet in der schmalen oberen Zeile den Namen des Königs und seiner Mutter, in der breiteren zweiten Zeile wird für jedes Jahr ein rechteckiges Kästchen angelegt und in ihm die wichtigsten Ereignisse notiert. In der schmalen dritten Zeile unten schliesslich wird die Höhe der Nilflut notiert. Alles Wichtige, schnell und übersichtlich.

Wenn man sich den gesamten Palermostein vorstellt und vor dem inneren Auge dynamisch ablaufen lässt, erhält man ein von links nach rechts laufendes Band wie bei Al Jazeera. Mir scheint das ein phänomenales Beispiel für eine optimierte Informationsdichte zu sein. Wir jedenfalls hätten Probleme, mit unserem Schriftsystem und unseren Lesegewohnheiten drei Spuren gleichzeitig zu verfolgen. Vielleicht weist das altägyptische Beispiel ja in eine Richtung, wie unsere Lesesysteme verändert werden könnten: Ein stärker grafischer Aufbau, Kombination von Phonogrammen mit Ideogrammen, optische Phrasierung. Der Rest ist Übung und Gewohnheit.