Jan 4 2014

Innen und Außen

Schon vor ziemlich langer Zeit hat sich die Literatur angewöhnt, die Medien des Alltags zu verachten. Literatur  war schon immer edel und unvergänglich, sie zeigt filigrane Routen durch die dünne Höhenluft auf. Außerdem beansprucht sie, Seismograph der Intimität zu sein und besonders nah an lebende oder fiktive Personen heranzoomen zu können. Das hat sie allerdings mit den Alltagsmedien gemein: Auch Fernsehen, Zeitungen, Blogs, Twitter usf. behaupten die totale Transparenz der öffentlichen Person.

Irgendwie ist Literatur aber anders: Sie gewährt Einblicke in die Innenwelt, in die Innerlichkeit der Gefühle, auch wenn das alles vielleicht nur fingiert und gemutmaßt ist. Die alltäglichen Medien hingegen fokussieren stark auf Personen, kommen aber nicht in sie hinein. Auch Twitter – könnte ja ein Online-Tagebuch sein – täuscht ja Nähe nur vor; man ist nur schnell dran an den Leuten, die twittern; aber: Schaut man auch in sie hinein?

Andersherum gefragt: Wie könnte ein Roman aussehen, der auf Twitter publiziert wird und nicht nur die übliche Microfiction (oder Gedankengebrösel) ist? Wie würde ein Treatment für einen Film dort aussehen? Welche markigen Sätze und unsterblichen Dialoge würden wir dort finden?