Sep 28 2013

Die Kunst des Krieges

Wer sich mit übermächtigen Gegnern anlegt, dem kommen strategische Überlegungen entgegen, die einen Sieg ohne Kampf versprechen. Eine direkte Auseinandersetzung mit einem Stärkeren sollte man nämlich besser nicht anstreben, dann ist eine Niederlage garantiert. Vielmehr ist indirekte Strategie angesagt, Vermeidung des Kampfes, Täuschung des Gegners, Einsatz von Spionage und so weiter. Da der Fall einer Konfrontation sehr ungleicher Kräfte in der Militärgeschichte schon häufiger vorkam und gelegentlich ganz überraschende Erfolge zeitigte – Hannibal im zweiten Punischen Krieg, Mao's langer Marsch, Che's Guerillakrieg  –, gibt es auch eine Menge Literatur dazu. Diese Bücher werden heute von Leuten gelesen, die sich mit Graswurzelbewegungen, nahöstlichen Frühlingen und Bürgerkriegen beschäftigen. Oder aber von Menschen, die in der Wirtschaft tätig sind; übermächtige Gegner können ja auch Amazon, Apple oder andere globale Konzerne sein.

Zu den Klassikern der indirekten Strategie gehört Sun Tzu's Büchlein "Die Kunst des Krieges", ein 2.500 Jahre altes Werk. Wer dieses Büchlein lesen möchte, wird überrascht feststellen, dass die Großen auch hier ihre Marktmacht ausspielen. Obwohl das Buch schon so alt ist, gibt es keine kostenlose Version im Netz. Die günstigste Ausgabe ist die für einen Euro bei Amazon. Das zeigt wieder einmal, dass Schwärme zwar überlegene Gegner angreifen und drangsalieren können, aber deshalb nicht unbedingt eine Strategie besitzen. Nicht, dass es nicht auch eine Piraten-Variante des Buches gibt: "Die Kunst des Krieges" findet sich bei TorBoox, nur ist der download illegal, weil es ein Raubscan ist. Vielleicht sollte man hier daran erinnern, dass es durchaus die Möglichkeit gibt, bei dem deutschen Projekt Gutenberg-DE Texte vorzuschlagen oder gleich einzusenden oder am verteilten Korrekturlesen der gescannten Texte mitzumachen.

Was also nötig ist, um die Großen der Buchbranche anzugreifen, ist nicht mehr als ein bisschen Zeit und Mühe – und natürlich ein gemeinfreier Text. Wer ein bisschen in Bibliotheksportalen kramt, findet Sun Tzu's Buch in einer Ausgabe von 1910. Der Übersetzer, Bruno Navarra, wurde 1850 geboren und starb 1911. Also ist der Text gemeinfrei – nicht einmal der Übersetzer oder seine Erben können Rechte geltend machen –, und um dieses Büchlein für alle zur Verfügung zu stellen, stellt Lectronica es nun im ePub-Format umsonst und kostenlos zum download bereit. Viel Spaß damit.